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Gewappnet für heiße Sommer

Liebe Leser:innen,

sonnig-heiße Tage sind auch für den Reborganismus anstrengend. Die meisten Winzer:innen wissen sehr genau, wann und in welchem Maße Enblätterungsmaßnahmen rebsortenspezifisch stattfinden sollten, um die Beerenhaut auf erhöhte Temperaturen und UV-Strahlung vorzubereiten. Sensitive Rebsorten sollten jedoch eher im Schatten bleiben.

Was tun Sie, um Ihre Rebsorten gegen Sonnenbrand zu schützen? Schreiben Sie uns gern an wivitis@julius-kuehn.de und besuchen Sie den Geilweilerhof in Siebeldingen am 2. oder 3. Juli zur Versuchsweinprobe mit Feldbegehung.

Abb. 1: Rebsorten zeigen unterschiedliche Sensitivität für Hitzestress im Labor. Diese Sensitivität kann anhand von entstehenden Verbräunungen (=Läsionen) detektiert werden. Rebsorten, die im Freiland zu Sonnenbrand neigen, zeigen auch im Labortest eine höhere Sensitivität für Hitzestress.

Dem Hitzestress angepasst

Es ist kein Geheimnis, dass die Entblätterung der Traubenzone eine sehr wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Trauben-Botrytis, zur Erhöhung der Weinqualität und –je nach Zeitpunkt- zur Ertragsreduktion darstellt. Gleichzeitig treten in den letzten Jahren immer wieder Hitzewellen auf, die aufgrund ihrer Intensität, Länge und Häufigkeit das Risiko für Sonnenbrandschäden an Trauben auch in den Weinbaugebieten Deutschlands deutlich erhöhen.

Am DLR Neustadt*1 wurde zudem gezeigt, dass eine frühe Entblätterung von Riesling zwar das Risiko für Sonnenbrand reduziert, ohne zusätzlichen Schutz der entblätterten Traubenzone, z.B. mit Kaolin, jedoch die Entstehung unerwünschter Aromen (rauchiges Aroma durch 4-vinylguajacol und untypische Alterungsnote) im Wein steigt. Es ist also höchste Zeit, dass die klassischen Sorten, pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs) und Zuchtmaterial hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Sonnenbrand bewertet werden, um verbesserte Handlungsempfehlungen abzuleiten. Eines sei vorab verraten, es gibt deutliche Sortenunterschiede in der Sensitivität für Sonnenbrand und Hitzestress (Abbildung 1 oben).

Um eine solche vergleichende Rebsortenanalyse durchzuführen, müssten wir hierfür jedoch jedes Jahr großflächig Sonnenbrandschäden im Weinberg bewerten – was glücklicherweise nicht geht. Aus dem Grund haben wir am Julius Kühn-Institut, Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen ein umweltunabhängiges Verfahren für junge Beeren entwickelt, welche im Labor mit Hitzestress behandelt werden (Abbildung 2).

 
Abb. 2: Ablauf des Hitzestress-Tests im Labor: Nach der Probenahme im Freiland, werden in zwei technischen Wiederholungen ca. 2x 45 Beeren pro Rebsorte auf schwarzen Platten platziert und für 2 h bei 45°C behandelt.
Während sensitive Beeren braune Läsionen entwickeln, bleiben tolerante Beeren grün. Die aufgenommenen Bilder werden mit einem Analysetool ausgewertet.
 

Auch in WiVitis wurde dieses Verfahren in 2024 erstmalig angewandt, um die Kernsorten im Projekt zu evaluieren (Abbildung 3). Als Referenz wurden Sorten verwendet, die in der Literatur*2 als sensitiv (Bacchus) und tolerant (Chardonnay) beschrieben sind. Morio Muskat, eine Rebsorte, die von Praxispartnern im Projekt ebenfalls als sonnenbrandgefährdet eingestuft wurde, zeigte im Labortest mit teils 100% Läsionen, die stärkste Anfälligkeit.

Abb. 3: Erste und damit vorläufige WiVitis- Ergebisse aus der Rebsortenuntersuchung 2024. Die Sorten Bacchus und Chardonnay dienen im Versuch als Kontrollen, da Bacchus in der Literatur als sensitiv und Chardonnay als tolerant beschrieben ist*2. Die untersuchten PIWI-Rebsorten weisen eine besonders hohe Unanfälligkeit für Hitzestress im Labor auf, wobei Souvignier Gris mit Abstand die besten Ergebnisse zeigt.

Und ein weiteres Mal zeigen PIWIs, dass sie Meister ihrer Klasse sind: Sie trotzen nicht nur Pilzkrankheiten, sondern halten auch dem Hitzestress im Labor lange stand. Diese ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei den untersuchten PIWIs auch das Risiko für Sonnenbrand als gering eingestuft werden kann.

Nun wiederholen wir diesen Versuch in 2025 und prüfen die Sorten zusätzlich in Kooperation mit dem Projekt KliwiResse mittels eines automatisierten Tools, welches Künstliche Intelligenz für die Datenauswertung nutzt.

Quellen
*1: Szmania Caterina, Waber Jonas and Fischer Ulrich (2022). Sensory impact of sunburn in white wine and mitigation of climateinduced off-flavours by defoliation and application of reflecting particles on grapes. IVES Conference Series, IVAS 2022.
*2: Gambetta J.M., Holzapfel B.P., Stoll M., Friedel M (2021): Sunburn in Grapes: A Review. Frontiers in Plant Science, 11. https://doi.org/10.3389/fpls.2020.604691

Einladung zur Weinprobe mit Feldbegehung am 2. und 3. Juli 2025

Das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof freut sich, Sie auch in diesem Jahr wieder zu einer Weinprobe mit Weinen aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWIs) einzuladen. Es können diverse PIWIs sowie neue rote und weiße Zuchtlinien im Vergleich zu Standardsorten verkostet werden.

Zudem werden Sie die Möglichkeit haben verschiedene Ausbauvarianten von Roséweinen aus unseren roten Sorten vergleichend zu verkosten und sich von den Unterschieden beeindrucken zu lassen. Auch geben wir gerne Einblicke in weitere laufende Forschungsprojekte am Geilweilerhof.

In diesem Jahr bieten wir Praktikern nach Anmeldung zwei geführte Feldbegehungen mit Weinverkostung an. Hierbei werden Sie die Möglichkeit haben unsere neuesten Züchtungen als Rebe und Wein genauer kennenzulernen und gezielte Informationen aus erster Hand vom Züchter zu erhalten. Die erste Führung findet am 2. Juli um 10 Uhr statt, die Führung am 3. Juli startet um 14 Uhr. Nur für die Feldbegehungen ist eine Anmeldung über https://geilweilerhof.eu/PIWIprobe erforderlich.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Weitere spannende Einblicke in die Arbeit des WiVitis-Teams finden Sie auf unserer Website.

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Julius Kühn-Institut
WiVitis
Geilweilerhof
76833 Siebeldingen
Deutschland


Wivitis@julius-kuehn.de