Dem Hitzestress angepasst
Es ist kein Geheimnis, dass die Entblätterung der Traubenzone eine sehr wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Trauben-Botrytis, zur Erhöhung der Weinqualität und –je nach Zeitpunkt- zur Ertragsreduktion darstellt. Gleichzeitig treten in den letzten Jahren immer wieder Hitzewellen auf, die aufgrund ihrer Intensität, Länge und Häufigkeit das Risiko für Sonnenbrandschäden an Trauben auch in den Weinbaugebieten Deutschlands deutlich erhöhen.
Am DLR Neustadt*1 wurde zudem gezeigt, dass eine frühe Entblätterung von Riesling zwar das Risiko für Sonnenbrand reduziert, ohne zusätzlichen Schutz der entblätterten Traubenzone, z.B. mit Kaolin, jedoch die Entstehung unerwünschter Aromen (rauchiges Aroma durch 4-vinylguajacol und untypische Alterungsnote) im Wein steigt. Es ist also höchste Zeit, dass die klassischen Sorten, pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs) und Zuchtmaterial hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Sonnenbrand bewertet werden, um verbesserte Handlungsempfehlungen abzuleiten. Eines sei vorab verraten, es gibt deutliche Sortenunterschiede in der Sensitivität für Sonnenbrand und Hitzestress (Abbildung 1 oben).
Um eine solche vergleichende Rebsortenanalyse durchzuführen, müssten wir hierfür jedoch jedes Jahr großflächig Sonnenbrandschäden im Weinberg bewerten – was glücklicherweise nicht geht. Aus dem Grund haben wir am Julius Kühn-Institut, Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen ein umweltunabhängiges Verfahren für junge Beeren entwickelt, welche im Labor mit Hitzestress behandelt werden (Abbildung 2).
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